Leonard, das ist dieser hübsche Kerl, irgendwann zwischen 2010 und 2012 geboren – da werden sich die Tierärzte nicht einig – ehemaliger Fundkater.

Leonard wurde vor fast drei Jahren gefunden, als er Mülltonnen ausräumte und kam ins Tierheim Lauterbach, wo sehr schnell klar wurde, dass dieser freundliche und gepflegte Kater irgendwann mal einen Besitzer gehabt haben musste. Dieser wurde aber nie gefunden.

Im Sommer 2017 habe ich mich praktisch in ihn schockverliebt und er wurde an mich vermittelt. Schon da war klar, dass er regelmäßig zum Tierarzt muss. Auf dem Bild erkennt man den Grund ganz gut: Im rechten Auge findet sich eine schwarze Verfärbung, ein (bisher) gutartiges Melanom.

Es wurde schnell klar, dass das Auge allerdings nicht das schwierige gesundheitliche Problem werden sollte. Kaum war Len ein paar Tage bei mir, zeigte er an, dass er Zahnschmerzen hat und er musste innerhalb der ersten Woche zu Hause einen Zahn gezogen und die restlichen gereinigt bekommen.

Das ist für eine Katze in seinem Alter nicht weiter ungewöhnlich, sein Katerkumpel hatte im Juni dasselbe Problem und Katzen tendieren einfach generell zu Zahnproblemen. Gründe dafür können von Veranlagung, Infektionen, Ernährung und bestimmt tausend anderen Faktoren abhängen.

Ungewöhnlich ist, dass die Probleme einfach nicht aufhören wollten und er schon kurz darauf wieder Anzeichen für Zahnschmerzen zeigte. Er ließ sich nicht am Kopf anfassen, knirschte mit den Zähnen und fraß übermäßig vorsichtig.

Nach monatelangem hin und her zwischen akuten Entzündungen und Phasen der Ruhe wurden Len vor ein paar Wochen die meisten Zähne gezogen – es gab einfach keine andere Möglichkeit mehr.

Diese Abbildung zeigt ein Katzengebiss. Eine erwachsene Katze besitzt 30 Zähne:

1 sind die Schneidezähne oder Incisoren. Sie dienen zum Festhalten von Beute und zur Fellpflege.

2 sind die Fangzähne oder Caniden. Sie dienen unter anderem zum Töten von Beutetieren.

3 zeigt das Zahnfleisch oder Gingiva.

4 sind die Backenzähne, die vorne liegenden Molaren und die Prämolaren im hinteren Kiefer. Mit ihnen wird Nahrung zerrissen und zerkleinert. (Initiative Zahngesundheit: 2018)

Leonards Probleme begannen ursprünglich mit einem abgebrochenen Fangzahn, den er sich wahrscheinlich während seiner Zeit beim Müll durchsuchen zugezogen hatte. Man sollte niemals einen Tetra – Pack in seiner Nähe stehen lassen – die Dinger knackt er mit den Zähnen. Dieser Zahn wurde in der ersten Operation gezogen.

Gewöhnlich reicht eine solche OP in Verbindung mit einter Zahnreinigung, Zahnprobleme für die nächsten Jahre zu vermeiden. Bei Leonard war dies leider nicht der Fall.

Später verlagerte sich das Problem an eine, laut der Tierärztin, ungewöhnliche Stelle: Die unteren Incisoren, bei denen das umgebene Zahnfleisch schrecklich angeschwollen war und die deshalb völlig schief standen. Anfänglich half die Gabe von Cortison, später weder Cortison noch eine kombinierte Behandlung mit Antibiotikum. Weiters verschlimmerte sich das Problem und zog sich bald auch zu den Backenzähnen, laut Tierärztin eine völlig normale Stelle für diese Probleme.

Leonard hatte eine schlimme, chronische Gingivitis und eine erhebliche Stomatitis bekommen. Eine Entzündung des Zahnfleischs und starken Zahnstein also. Die Gründe dafür sind nicht so einfach nachvollziehbar und werden das ins Lens Fall wahrscheinlich auch bleiben. Vorstellbar ist, dass er sich in seiner Zeit draußen eine Infektion zugezogen hat, welche sein Immunsystem geschädigt hat, welches wiederum nun sein Zahnfleisch angreift. (Kühn: 2019)

Es stellte sich auch nach monatelanger Behandlung kaum Besserung ein, also wurde beschlossen, alle Zähne zu ziehen. Die letzte Möglichkeit in einem solchen Fall.

Vor der Operation wurde ein Blutbild angefertigt, um sicherzustellen, dass er in der Verfassung für eine Vollnarkose war. Sämtliche Blutwerte lagen im guten Bereich.

Letzten Endes wurden Leonard die unteren Incisoren, ein weiterer Canide und alle Molaren und Prämolaren gezogen. Er hat noch seine oberen Incisoren und zwei gegenüberliegende Caniden. Eine solche Operation wird als letzte Option gesehen, da die Heilung extrem lange und aufwändig sei kann. Außerdem ist natürlich das Risiko der Narkose nicht zu unterschätzen.

Leonard hatte schon bei der ersten Operation Schwierigkeiten mit der Narkose, übergab sich trotz Nüchternheit und brauchte fast 20 Stunden, um wieder völlig klar zu sein – das habe ich der Tierärztin natürlich mitgeteilt und so bekam er dieses Mal direkt ein Mittel gegen die Übelkeit. Um wieder klar zu werden hat er wieder sehr lange gebraucht, aber auch das lief dieses Mal glatter. Zur Nachsorge bekam er Schmerzmittel, Cortison und Antibiotikum

Ein anderer Grund, die Operation als letzten Ausweg zu nutzen ist folgender: Die Zähne zu ziehen ist keine Garantie die Gingivitis zu stoppen, besonders, wenn kein genauer Grund ausmachbar ist.

Und genau das ist passiert: Die Löcher im Kiefer heilten langsam aber sicher, Leonard fühlte sich auch sichtlich besser… und dann flammte die Entzündung wieder voll auf.

Nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen mit Schmerzmittel, Cortison und Antibiotikum, probieren wir es jetzt etwas unkonventioneller: Da vor einigen Monaten die reine Gabe von Cortison die Entzündung unter Kontrolle bringen konnte, sind wir wieder dazu übergegangen. Außerdem hat die Tierärztin in ihrer Recherche ein Gel aus der Humanmedizin gefunden, welches Zahnfleischentzündungen entgegenwirkt und auch für Tiere nutzbar ist.

Bisher scheint die Therapie anzuschlagen. Ich hoffe das bleibt so.

Leonard ist schmerzfrei, lässt sich am Maul anfassen, spielt mit seinem Katerkumpel und – besonders wichtig – frisst wie ein Mähdrescher.

Wenn Du Probleme bei Deinen Tieren feststellst, solltest Du grundsätzlich möglichst schnell zum Tierarzt gehen – lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!

Update 26.01.2020: Leonard ist manchmal noch etwas vorsichtig mit dem Anfassen am Kopf – aber ansonsten gab es keinerlei weiteren Probleme mehr!

Quellen:

Initiative Zahngesundheit, 2018: DAS KATZENGEBISS. ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE. https://www.initiativezahngesundheit.de/index.php?id=58 (17.09.2019)

Kühn, Isabella, 2019: Gingivostomatitis der Katze. http://www.tierzahnheilkunde.com/gingivostomatitis.html (17.09.2019)

Kategorien: AllgemeinKatzen

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